Wie F-Droid Apps nach Kuba bringt

Ab 2015, als die Regierung erste öffentliche WiFi-Hotspots im Land eröffnete, stand gewöhnlichen Kubanern erstmals ein Internetzugang zur Verfügung. Zuvor wurden Mobiltelefone, obwohl sie bereits ihren Weg ins Land gefunden hatten, meist offline verwendet. Nun können sich alle diese Telefone mit dem Internet verbinden. Allerdings zum Preis von 1,50 CUC pro Stunde, was für die meisten Kubaner, deren Durchschnittslohn nur 20 CUC im Monat beträgt, weiterhin unerschwinglich ist.


Mobiltelefonladen, der Apps und Updates anbietet

So ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Kubaner ihre zur Verfügung stehende, eingeschränkte und teure Datenkapazität nicht zum Herunterladen von Apps nutzen, sondern sie für andere Zwecke, wie die Kommunikation mit Verwandten, verwenden. Wenn sie Apps möchten, können sie in eines der zahlreichen Reparaturgeschäfte für Mobiltelefone gehen und sie sich dort gegen eine Schutzgebühr installieren lassen.

Um sich bei der harten Konkurrenz zu unterscheiden, wählen einige Läden einen interessanten Ansatz: Sie eröffnen ihren eigenen App-Store in einem lokalen (offline) WLAN-Netz, um Kunden anzuziehen.

Die einzige existierende Technik, die es jedermann ermöglicht, seinen eigenen App-Store zu eröffnen, heißt F-Droid. Es ist ein vollausgestatteter App-Store-Baukasten, der alle Instrumente und die Dokumentation mitbringt, die für die Eröffnung eines eigenen Store benötigt werden: einen App-Store-Server, die App, um die Apps auf einem Gerät zu installieren und ein Pflegewerkzeug, um den Store mit Leichtigkeit zu verwalten.


DroidT’s F-Droid-Repository

Normalerweise bietet die F-Droid-App, die heruntergeladen werden kann, tausende nützlicher Free Software Apps ohne Werbung und Nutzerüberwachung. Diese benötigen jedoch eine Internetverbindung, wenn sie von einem offiziellen F-Droid-Server heruntergeladen werden sollen. Dankenswerterweise erlaubt F-Droid das Hinzufügen weiterer Repositories. Diese funktionieren ähnlich wie die Paketquellen, die aus GNU/Linux-Distributionen bekannt sein dürften. Jedermann kann sein eigenes Repository erstellen, selbst in einem Offline-Netz. Sobald Leute mit demselben WLAN-Netz verbunden sind, können sie das Repository nutzen, um Apps zu installieren und zu aktualisieren.


WiFi-Antenne vor dem Laden

Das ist genau das, was der DroidT Shop machte, den ich in Sancti Spíritus auf Kuba besuchte. Er betreibt sein eigenes Repository in seinem örtlichen WLAN-Netz. Momentan bietet er mehr als 2000 Apps an, meist Spiele, aber auch andere nützliche Apps, für jeden innerhalb der Reichweite seines WLAN-Routers umsonst. In einer schlechteren Geschäftslage als seine Konkurrenten, hilft es ihm tatsächlich die Leute zu seinem Laden zu lenken und sich in der örtlichen Geschäftswelt einen guten Ruf aufzubauen. Bislang ist es der einzige Laden in der Stadt, der seinen Kunden diesen kostenlosen und praktischen Dienst anbietet.


Kubanisches Kind, das sich einen Ausdruck der erhältlichen Apps durchsieht

Die Apps werden von den Angestellten einmal heruntergeladen, im Repository eingestellt und stehen dann einer unbegrenzten Zahl von Kunden zur Verfügung, ohne jemals wieder eine Internetverbindung zu benötigen. Das DroidT-Team geht sogar einen Schritt weiter, indem es auch spanische App-Metadaten, wie Zusammenfassungen und App-Beschreibungen, bereitstellt, um es den Leuten leichter zu machen, die App zu finden, nach der sie suchen.

Momentan arbeitet es an der Einbindung der Bildschirmfoto-Funktion, die vor Kurzem in der F-Droid-App eingeführt wurde, damit die Kunden durch die Bildschirmfotos blättern können, bevor sie sich für oder gegen die Installation einer App entscheiden.


Bildschirmfoto von DroidT’s App-Kategorien

Ein weiterer feiner Dienst, der von ihm angeboten wird, sind App-Aktualisierungen, die sicher über F-Droid verteilt werden. Wenn jemand, der bereits Apps aus seinem Repository heruntergeladen hat, wieder in die Reichweite des WLAN kommt, wird F-Droid nach Aktualisierungen suchen und diejenigen, die verfügbar sind, zur Installation anbieten. Das ist in einem Land, in dem die Leute sich normalerweise, zu Lasten der Sicherheit, nie um Aktualisierungen kümmern, ein riesiger Fortschritt.

So wundert es nicht, dass sein Werbespruch “BE UPDATE” ist, der auch in riesigen Lettern genau über dem Schreibtisch des Ladens hängt. Das Repository wird übrigens auf dem Server gehosted, der direkt über dem Werbebanner zu sehen ist.

Es ist großartig mit anzusehen, dass die freie Technologie, an der die F-Droid-Community so viele Jahre gearbeitet hat, um Android-Nutzer zu befreien, eine unerwartete Verwendung durch talentierte Menschen in anderen Ländern wie Kuba erfährt und dort etwas bewegt.


Der Vollständigkeit halber sollte allerdings noch erwähnt werden, dass normale Downloads und F-Droid nicht der einzige Weg sind, über den Kubaner Apps erhalten. Es gibt wöchentliche Datenpakete, die auf Festplatten per Bus durch das Land geschickt werden. Diese Paquete Semanal enthalten überwiegend Filme und Fernsehshows, aber auch Nachrichten und Apps.

Schließlich gibt es eine proprietäre App namens Zapya, die unter jungen Kubanern sehr beliebt ist, da sie die drahtlose Übertragung von Apps und anderen Dateien zwischen zwei Telefonen ermöglicht. Obwohl F-Droid dieselbe Funktion enthält, ist das noch nicht sehr bekannt und momentan noch nicht genügend ausgereift, um an die Einfachheit, die Zapya den Kubanern derzeit bietet, heranzukommen.


Kubaner, der über Zapya Apps teilt

Dieser Post wurde ursprünglich im blog.grobox.de/2017/how-f-droid-is-bringing-apps-to-cuba veröffentlicht.