Warum Kuratieren und Dezentralisierung besser ist als Millionen von Apps

Jeder Schreibtischcomputer oder jedes Mobilgerät wird mit irgendeiner Art „App Store“ ausgeliefert. Da gibt es F-Droid für Android. Debian besitzt als Kernstück „Software Repositories“. Dann gibt es die wirklich großen, proprietären: Apple App Store und Google Play. Diese beinhalten Millionen von Apps, während Debian Zehntausende und F-Droid rund 4.000 enthält. Diese statistischen Angaben werden gewöhnlich erwähnt, wenn die großen App Stores für sich werben. Beim Vergleich dieser Zahlen ist F-Droid ein winzig kleiner Pieps. Aber wirklich, wie viele Apps braucht ihr in eurem AppStore?

Jede Software-Sammlung ist im Wesentlichen ein Akt des Kuratierens. Nur nützliche Software wird aufgenommen. Bösartige Software wird herausgefiltert. Software, die als illegal in eurem Rechtssystem erachtet wird, wird gesperrt. Jede Software, die sich nicht an die Standards der Dienstleistungsbedingungen hält, wird entfernt. In den Fällen einer von der Gemeinschaft kuratierten Distribution wie Debian oder F-Droid, kuratieren die Mitwirkenden durch Auswahl der Apps, die ihre Aufmerksamkeit verdienen. Es gibt keine wichtige Software-Distribution für Endnutzer, die nicht kuratiert ist. Idealerweise ist es Software, die hilfreich für euch, die Anwender, ist. Traurigerweise stimmt das oft nicht. Denkt an die Firmen, die den Überwachungskapitalismus in den Vordergrund stellen: sie schließen Software ein, die entwickelt wurde, um eure Interessen zu erfassen, damit sie diese an Werbetreibende verkaufen können. Oder ein paar Firmen versprechen Datenschutz für Apps, machen dann aber Ausnahmen für ihre eigene Software beim Datenschutz.

Aus der Sicht des Anwenders würde der ideale App Store exakt das enthalten, was der Anwender wünscht und nicht ein Ding mehr. Niemand hat Millionen von Apps auf dem Gerät installiert. Alle diese Extra-Apps stehen dem Auffinden, was wichtig ist, einfach nur im Weg. Schlimmer noch, in den großen App Stores ist es nicht einfach nur ein Störsignal, es ist Malware oder der Versuch der Firmen, euch in etwas hineinzuziehen. Sie versuchen, das glitzerndste Ding zu sein, damit die Leute auf „Kaufen“ klicken. Oder schlimmer, sie versuchen, euch süchtig zu machen, damit sie eure Daten an Werber verkaufen können.

F-Droid ist rund um verschiedene Prinzipien aufgebaut: Auswahl durch die Nutzer, Dezentralisierung und von der Gemeinschaft kontrollierte Kuratierung. Das bedeutet, F-Droid versorgt euch von Haus aus mit ausgewählten Apps ohne Verbote oder Zensur. Wenn ihr die F-Droid-App installiert, verbindet sie sich automatisch mit der Sammlung auf f-droid.org, die von dieser Community gepflegt wird. F-Droid macht es auch jedem leicht ein eigenes Repository zu veröffentlichen, mit eigenen Kuratierungsregeln. Repomaker ist eine einfache Web-App zur Veröffentlichung und die Kommandozeilen-Tools von fdroidserver, die f-droid.org antreiben, stehen Power-Nutzern zur Verfügung.

Eine derartige Ordnung lässt eine Vielzahl schwieriger Fragen verschwinden. Kinder, Hacker, gläubige Menschen, Großeltern, Aktivisten, Bachelors und Schauspieler in nicht-jugendfreien Filmen; wir alle nutzen Kalender, lesen die Nachrichten, brauchen Hilfe bei der Navigation, spielen Spiele. Über die Jahre hat sich ein grober Konsens innerhalb der Community von f-droid.org herausgebildet , dass unsere Sammlung auf diese Weise kuratiert werden soll. Dies stellt sich als ziemlich ähnlich zu anderen, freien Software-Gemeinschaftsprojekten, wie Debian, heraus. Dieser Beitrag zielt darauf ab, dies unseren Nutzern stärker zu verdeutlichen.

Jede Gesellschaft hat sich auf Methoden geeinigt, über anstößige Dinge zu kommunizieren. Wenn f-droid.org die einzige Software-Quelle wäre, dann wäre unsere Kuratierung Zensur, da wir die Redefreiheit unterbinden würden. Als Unterstützer freier Software und des Datenschutzes wollen wir nichts mit Zensur zu tun haben. Hier kommt die Dezentralisierung zum Tragen. Dezentralisation bedeutet, dass die Leute feinkörnig abgestimmt wählen können, wem sie ihr Vertrauen schenken, nicht alles oder nichts. Wir haben eine Menge Arbeit darauf investiert, es jedem leicht zu machen, eigene Repos zu gestalten, und jene Repos dürfen allen Regeln folgen, die ihr Schöpfer möchte. Nachdem F-Droid-Repos eine Art nutzerkontrolliertes Abo darstellt, ist es nicht der Ort für F-Droid-Mitwirkende, darüber zu bestimmen. Welche Apps oder Repos F-Droid-Nutzer auf ihre eigenen Geräte aufnehmen, ist einzig und allein deren Entscheidung.

Eine gebräuchliche Beschwerde über dezentrale Systeme ist, dass sie schlecht funktionieren. Das trifft auf das Android-App-Ökosystem und die Software-Verteilung im Allgemeinen nicht zu. Software-Repositories sind in der Regel nicht aus einem Guss, die großen Stores für mobile Apps sind wirklich die Ausnahme. Windows erlaubt viele Quellen. GNOME Software bietet, basierend auf apt, dnf, Flatpak, Snapcraft, etc. als Software-Quellen, ein einzigartiges Erlebnis. Im chinesischen App-Store-Markt haben fünf bis zehn der normalerweise genutzten App-Stores und selbst der größte keinen mehrheitlichen Marktanteil. Die meisten Chinesen haben mehr als einen App-Store auf Ihrem Telefon, so dass es dort keinen Monolith gibt, wohingegen “außerhalb Chinas Apple und Google mehr als 95 Prozent des Marktanteils der App-Stores kontrollieren”. Ökosysteme mit multiplen App-Quellen funktionieren und Regierungen rund um den Globus glauben, dass es Monopol- Kräfte sind, die die Dominanz von Google Play und Apple App Store erhalten . Selbst Apples berühmter streng umzäunter Garten kann neben AltStore, AppFair und Cydia koexistieren. Das zeigt eindeutig, dass die Firmenpolitik der Monopolisten das einzige Hindernis ist, um die App-Monolithen zum Einsturz zu bringen.

Der Knackpunkt bleibt: für die überwiegende Mehrheit der Gerätenutzer mit Apple iOS und Google Play ist es eine grundlegende Zensurbestimmung, wenn der Store eine App entfernt oder einschränkt. Die Nutzung von Alternativen erfordert ein hohes Maß an technischem Geschick. Geräte mit Google Play erlauben zumindest App Stores von Drittanbietern, wenn auch auf einem deutlich niedrigerem Integrationsniveau als für Google Play selbst. F-Droid besitzt nicht nur einen wirklich offenen App-Vertrieb, das F-Droid-Modell bietet darüber hinaus eine besseres Benutzererlebnis: viele dezentrale App-Repositorys können in einer einzigen F-Droid-App verwaltet werden. So ergibt sich Bedienkomfort durch ein vereinheitlichtes Benutzererlebnis, das aber nicht auf einen einzelnen Anbieter beschränkt ist. Nur wenn es ein freies, offenes, dezentralisiertes Umfeld gibt, können Nutzer selbst entscheiden, welche Apps sie möchten, während sie gleichzeitig darüber entscheiden, welche Apps sie nicht sehen möchten. Die Freiheit, Apps zu bekommen, wird immer im Spannungsfeld mit Dingen stehen, mit denen Menschen in ihrem Leben nichts zu tun haben wollen. Dezentralisation ist die einzige Lösung und F-Droid ist von Grund auf so aufgebaut, das zu ermöglichen.